Die Geschichte des LSD beginnt für viele mit Albert Hofmann und seinem legendären „Bicycle Day“ im Jahr 1943. Frank setzt in dieser Ausgabe von „Stoner Frank & Frei“ jedoch früher an. Ausgangspunkt ist der Roman „St. Petri Schnee“ von Leo Perutz, der bereits 1933 mit der Verbindung zwischen Mutterkorn, religiöser Ekstase und der Idee spielt, den Menschen durch psychoaktive Substanzen verändern zu können. Für Frank ist das keine historische Beweisführung, sondern ein faszinierender Hinweis darauf, dass solche Gedanken schon lange vor der bekannten LSD-Geschichte in der europäischen Geisteswelt kursierten.
Von dort geht es zu Albert Hofmann, Sandoz und der Entdeckung der enormen Wirkung von LSD. Frank betrachtet die frühen therapeutischen Ansätze in Europa und den USA, die Experimente an Universitäten sowie Figuren wie Timothy Leary und Ken Kesey. Schon hier zeigt sich die Ambivalenz, die sich durch die gesamte Geschichte zieht: Auf der einen Seite stehen Forscher und Idealisten, die sich Heilung, Selbsterkenntnis oder sogar eine bessere Gesellschaft erhoffen. Auf der anderen Seite entsteht sehr schnell das Interesse daran, dieselben Erkenntnisse für Kontrolle und Manipulation nutzbar zu machen.
Damit führt die Geschichte zu CIA, MK-Ultra und Sidney Gottlieb, zu geheimen Menschenversuchen und zur Frage, wie eng Nachkriegsforschung, Kalter Krieg und die Vorstellung vom Menschen als programmierbarem System miteinander verbunden waren. Auch Gregory Bateson, Margaret Mead, John Lilly und die Macy-Konferenzen tauchen in diesem Zusammenhang wieder auf. Frank zeichnet dabei keine einfache Geschichte von „Gut gegen Böse“, sondern beschreibt eine auffällige Überschneidung zwischen Weltverbesserern, Wissenschaftlern und jenen, die dieselben Methoden für Machtzwecke einsetzen wollten.
Für Frank liegt darin die große Tragödie der frühen LSD-Geschichte: Eine außergewöhnlich wirkmächtige Substanz wurde in einer Epoche entdeckt, in der der Mensch zunehmend als biologisches und programmierbares System betrachtet wurde. Gleichzeitig betont er ausdrücklich, dass es hier nicht um Drogenverherrlichung geht. LSD besitzt für ihn großes kulturelles und möglicherweise therapeutisches Potenzial – gerade deshalb verlangt der Umgang damit Respekt, Aufklärung und einen Blick auf seine widersprüchliche Geschichte.








